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Wie kann ich meinem Pferd helfen – alternative Heilmethoden im praktischen Einsatz / Teil 2: Therapie mit Heilpflanzen, Phytotherapie
von Dr. med. vet. Beatrice Dülffer-Schneitzer
Die natürlichen Heilmethoden orientieren sich bei der Erkennung und Therapie von Krankheiten an den natürlichen Lebensvorgängen. Ihre Heilmaßnahmen arbeiten mit den natürlichen Fähigkeiten des Organismus zur Regulation, Regeneration, Anpassung und Selbstheilung. Der kranke Körper wird dazu aktiviert bzw. darin unterstützt, sich selbst zu heilen. Alle Erkrankungen müssen zuvor von einem Tierarzt abgeklärt und behandelt werden. Mit Hilfe dieser natürlichen Methoden können Sie die tierärztliche Behandlung gut unterstützen. Achten Sie dabei auf die Reaktion Ihres Pferdes, es sollte sich wohlfühlen.
Teil 2: Therapie mit Heilpflanzen, Phytotherapie
Der Einsatz von Pflanzen zum Wohle der Gesundheit zählt wie die Akupressur zu den ältesten Therapieformen überhaupt. Unabhängig voneinander verwendeten Menschen in allen Teilen der Erde und in allen Kulturen bestimmte Pflanzen zur Heilung von gesundheitlichen Problemen bei Mensch und Tier. Die Kräuterheilkunde orientiert sich direkt an der zu heilenden Krankheit, behandelt jedoch den ganzen Pferdekörper. Heilkräuter wirken dabei ganzheitlich, nicht nur auf das erkrankte Organ. Dies kommt insbesondere bei dem vorbeugenden Schutz vor Krankheiten zum Tragen.
Noch heute gibt es Pferde, die infolge einer weitgehend natürlichen Haltung einen guten Instinkt besitzen. Auf einer abwechslungsreichen Kräuterwiese suchen sich diese Pferde die richtigen Kräuter meist selbst zusammen. Da die meisten Pferde jedoch den größten Teil ihres Lebens im Stall verbringen und Kräuterwiesen auch eher selten geworden sind, müssen Sie bzw. der Therapeut die richtigen Heilkräuter für das Pferd aussuchen. Meist nehmen die Pferde die Heilkräuter sehr gerne an. Wenn ein Pferd allerdings das eine oder andere Kraut partout nicht mag, so zwingen Sie es nicht dazu, es zu fressen. Suchen Sie für Ihr Pferd nach einer Alternative.
Ein großer Vorteil ist, dass die Kräuterheilkunde mit anderen Therapiearten kombiniert werden kann. In der Regel werden Heilkräuter von den Therapeuten eingesetzt, um die schulmedizinische Therapie wirkungsvoll zu unterstützen. Insbesondere bei langwierigen Krankheiten ist der Einsatz von Heilkräutern sehr effektiv.
Einige der Heilkräuter sind in ihrer Anwendung unkompliziert, sodass sie, wenn von tierärztlicher Seite nichts dagegen spricht, auch von den Tierhaltern selbst verwendet werden können (zum Beispiel Brennnessel oder Klette). Andere Heilkräuter wiederum grenzen sich von den Giftpflanzen nur durch die verwendete Menge ab. Als Beispiel sei hier der Rote Fingerhut genannt, dessen Wirkstoff (Digitalis) heute aus der Behandlung von Herzpatienten nicht mehr wegzudenken ist. Es versteht sich von selbst, dass eine Therapie mit diesen schwierigen Pflanzen ausschließlich den Experten vorbehalten ist.
Praktische Tipps für die Anwendung von Heilkräutern
Heilkräuter können einzeln oder als Kräutermischung eingesetzt werden. Eine Mischung verschiedener Heilkräuter ist meist wirksamer und verträglicher als die Gabe eines einzelnen Krautes in hoher Dosierung. Die richtige Kombination von Heilpflanzen steigert deren Wirkung oft beträchtlich. Es sollten jedoch nicht mehr als maximal acht Kräuter zusammengemischt werden. Sind es mehr, so ist der einzelne Wirkstoff in so geringer Menge vorhanden, dass er keinen Heilerfolg mehr erzielt. Sie können sich die Kräuter selbst zusammenstellen, sich eine Mischung in der Apotheke zubereiten lassen oder auf bereits vorgefertigte Kräutermischungen zurückgreifen. Achten Sie dabei jedoch immer auf gute, nicht zu lange gelagerte Qualität.
Heilkräuter können in der unterschiedlichsten Weise verwendet werden, man kann sie frisch (sammeln oder anpflanzen) oder getrocknet anwenden. Meist werden die Kräuter mitarbeitet, man kann jedoch auch einen Tee oder Aufguss zubereiten. Zur Anwendung kommen Heilkräuter innerlich wie äußerlich. Wichtig ist, mit dem Tierarzt Rücksprache zu nehmen, ob etwas gegen den Einsatz von Heilkräutern spricht. Frische Wunden, die nicht erkennbar oberflächlich sind, sollten nur möglichst keimarm abgedeckt werden. Würden Sie hier Salben, Desinfektionssprays oder Heilkräuter aufbringen, so könnten diese die Wundränder so verändern, dass sie später nicht mehr zusammengefügt werden können.
Heilkräuter werden am besten in Kuren über bestimmte Zeiten angewandt. Die meisten Kräuter benötigen eine gewisse Anwendungsdauer, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Dies sind in der Regel mindestens drei Wochen, meist wird eine Kur über vier bis sechs Wochen empfohlen. Es gibt jedoch auch Kräuter, die über längere Zeit gegeben werden können sowie Kräuter, die bereits nach kürzerer Zeit ihre Wirkung entfalten.
Frische Verwendung
Generell werden die meisten Kräuter von den Pferden gerne gefressen. Viele Heilkräuter können in zerkleinerter Form direkt gegeben oder mit dem Futter gemischt werden. Manche Pflanzen wie Klette, Brennnessel oder Beinwell müssen jedoch im frischen Zustand erst zerquetscht oder angewelkt werden, da sie in ihrer normalen Erscheinungsform unangenehm stechen oder brennen. Auch aus frischen Kräutern lassen sich Tees und Aufgüsse zubereiten. Ein Umschlag wird aus frischen, zerquetschten Kräutern zubereitet, die auf eine Kompresse gestrichen und mit einer elastischen Binde befestigt werden.
Getrocknete Verwendung
Getrocknet lassen sich die Kräuter ebenfalls unter das Futter mischen oder als Tees bzw. Abkochung einsetzen. Um die Wirkstoffe der Kräuter besser verfügbar zu machen, empfiehlt es sich die Kräuter vor dem Verfüttern kurz mit heißem Wasser zu überbrühen oder in einem Mash mitzukochen. Immer handwarm oder kühl verfüttern. Die Verabreichung dieser Kräuter als Tee hat den Vorteil, dass die Wirkstoffe bereits in der Maulschleimhaut aufgenommen werden können. Der Tee kann statt Trinkwasser gegeben werden und bei Bedarf mit etwas Honig, Traubenzucker oder Süßholz gesüßt werden. Alternativ kann der Tee auch über eine Einwegspritze bzw. eine kleine Plastikflasche eingeflößt oder unter das Futter gemischt werden. Für die Zubereitung des Tees geben Sie 2-3 gehäufte Teelöffel (TL) getrocknete oder eine Hand voll frische Kräuter in eine Kanne und übergießen diese mit ¼ l kochendem Wasser. Die Mischung lassen Sie 10-15 Minuten lang ziehen. Diese Menge reicht für einen Tag. Wer möchte, kann die ausgelaugten Kräuter mitfüttern. Bereiten Sie mehr Tee zu, so hält er sich in einer gut verschließbaren Flasche etwa eine Woche im Kühlschrank. Einen Tee ohne Kräuter können Sie auch äußerlich für Umschläge oder Waschungen verwenden. Nehmen Sie etwas Verbandsmull, Gazekompressen oder ein sauberes Baumwolltuch und legen es in heißen Tee. Ist das Tuch oder der Verbandmull voll gesogen, drücken Sie es leicht aus und legen es, angenehm warm, auf die zu behandelnde Stelle. Das Ganze fixieren Sie mit einer elastischen Binde. Für eine Packung werden die trockenen Kräuter auf einer Baumwollkompresse mit kochendem Wasser überbrüht oder auf eine Trägersubstanz aufgebracht. Diese sollte einen hohen Gehalt an Schleimstoffen besitzen, wie z.B. gemahlene Eibischwurzel oder aufgekochte Leinsaat. Beides sollte mit heißem Wasser vermischt und ebenso wie die Kompresse handwarm auf die zu behandelnde Stelle gelegt werden. Fixieren Sie das Ganze mit einer elastischen Binde.
Anwendungsmöglichkeiten für Heilkräuter
Einer Anwendung von Heilkräutern sollte in der Regel ein Tierarztbesuch vorangehen. Spricht von tierärztlicher Seite nichts dagegen, so können Sie mit der Kräuterheilkunde aktiv die tierärztliche Behandlung unterstützen und so die Heilungszeit verkürzen. Nur bei offensichtlich leichten Problemen ohne weitere Beschwerden der Haut, des Atem- oder Verdauungstraktes bzw. vorbeugend gegen Insekten, zur Abwehrsteigerung oder zur Unterstützung des Haarwechsels dürfen Kräuter eingesetzt werden. Führen diese nicht innerhalb von wenigen Tagen zu einer Besserung, so muss unverzüglich ein Tierarzt konsultiert werden.
Frühjahrskur zur Stärkung beim Haarwechsel
Eine Frühjahrskur besteht aus je 100 g Brennnessel, Ringelblume, Klebkraut, Klette, Mädesüß, Löwenzahn, geriebene Hagebutten, Himbeerblättern, Buchweizenkraut und Schafgarbe. Davon geben Sie über drei bis fünf Wochen täglich 60 g sowie einige Zehen Knoblauch (frisch oder als Granulat, Saft oder Pulver) ins Futter. Sie wirkt anregend für Körper und Kreislauf, blutreinigend, verbessert die Durchblutung, enthält viele wichtige Mineralstoffe und Vitamine.
Insektenschutzmittel (äußerlich!)
Mischen Sie je 2 ml Zimtöl, Zitronen-, Nelken-, Lavendel-, Salbei- und Melissenöl mit 500 ml Apfelessig, geben dazu 1,5 l Olivenöl oder ein anderes Pflanzenöl. Mischung vor Gebrauch schütteln und mit einem Schwamm auftragen. Falls eines der Öle nicht vertragen wird, einfach weglassen.
Bei hautempfindlichen Pferden verwenden Sie alternativ eine Mischung aus Apfelessig und Wasser (1 Teil Apfelessig auf 3 Teile Wasser) mit einigen Spritzern Knoblauchfrischsaft (oder –granulat, -öl, -pulver, frisch gepresst). Diese Mischung kann auch gut im Stall verwendet werden.
Insektenstiche
Achten Sie darauf in insektenreichen Gebieten die Pferde nicht zu den Hauptflugzeiten der Insekten rauszustellen. Insektenstiche nahe dem Auge mit feuchten Kompressen kühlen, bei starken Schwellungen Tierarzt rufen. Rücksichtsloses Scheuern des Pferdes verhindern. Bei einzelnen Stichen, insbesondere auch bei Bienen- und Wespenstichen, hilft eine rohe Zwiebelscheibe (Zwiebelhälfte). Fixieren Sie die Zwiebelscheibe mit einem Verband (an den Beinen die Polsterung nicht vergessen). Alternativ frischen Zwiebelsaft einmassieren. Dazu hilft ein kühlender Brei aus zerquetschten Melisse- und Pfefferminzeblättern. Auch eine Salbe mit Ringelblumen und Vitamin E bringt Linderung. Wirkt ein Pferd nach Insektenstichen matt und apathisch oder bekommt schwer Luft, müssen Sie umgehend Hilfe rufen. Bringen Sie es in den Schatten und legen ihm ein feuchtes Tuch auf, bis der Tierarzt da ist.
Sonnenbrand
An weißen Abzeichen und hellem Pferdefell kann es leicht zu Sonnenbrand kommen. Stellen Sie das Pferd in den kühlen Stall und kühlen Sie verbrannte Hautpartien mit einem nass-kalten Umschlag. Bei geschlossener Haut tut Naturjoghurt gut. Sehr gut hilft auch ein kühlender Brei aus zerquetschten Melisse- und Pfefferminzeblättern und oder Spitzwegerichblättern. Bei größeren oder tieferen Verbrennungen einen Tierarzt rufen.
Satteldruck und allergische Hauterkrankungen
Hustenerkrankungen
Eines der ältesten und besten Hausmittel bei Hustenerkrankungen ist das Inhalieren mit Kamillenblüten und Thymianöl. Wenn es möglich ist, sollten Sie für diese Anwendung zweimal täglich ca. 15 Minuten einplanen. Dazu reinigen Sie die Nüstern Ihres Pferdes täglich mit einer Kamillenlösung (Kamillentee oder Kamillosan (5 Tropfen auf einen Becher lauwarmes Wasser)). Danach tragen Sie Ringelblumensalbe mit Vitamin E, Rescue- oder eine milde Wund- und Heilsalbe auf.
Bei trockenem Reizhusten oder Kehlkopfentzündung helfen Eibisch, Kamille, Isländisch Moos, Anis, Malve, Spitzwegerich, Beinwell und Süßholz. Dazu geben Sie täglich 1 EL Honig und 1 EL Apfelessig unter das Futter.
Heilpflanzen mit leicht antibiotischer Wirkung sind Sonnenhut, Spitzwegerich, Thymian, Kapuzinerkresse, Melisse, Oregano, Pfefferminze, Rosmarin, Honig und Knoblauch.
Bei starker Verschleimung helfen Lungenkraut, Süßholz, Thymian, Salbei, Spitzwegerich, Huflattich, Anis und Knoblauch.
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