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Fachbeitrag von Jessica Kaup: "Und täglich grüßt das Murmeltier ..."

Lust statt Frust, so könnte das Motto heißen, mit dem Sie und Ihr Pferd hochmotiviert und mit viel Spaß an Trainingsfortschritten durch diese Hallensaison reiten und fahren. Dabei helfen Ihnen nun echte Profis:

 

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und weil Reiter auch nur Menschen sind, tragen auch sie deutliche Charakterzüge dieses Typus Monotonus:
Täglich nach Feierabend befreit der Amateurreiter sein Pferd für eine kurze Stunde aus der langen Boxenruhe. Sauber putzt er es von vorn nach hinten, erst links dann rechts, sattelt, trenst und bandagiert. Der Profireiter lässt selbiges tun - nur meistens schon vormittags.
Die Stallgasse entlang, geht es nun während ewiger Wintermonate schnurstracks in die schummrige Gemütlichkeit der Reithalle.
Aufsteigen im Mittelpunkt, drei große Runden im Schritt – soviel Zeit muss sein.
Leichtraben: vorwärts, abwärts, ganze Bahn. Zehn Minuten lang immer schön rechts herum, die Bande längs. Anschließend das versammelte Programm: Also, eine halbe Stunde mit wohlbekannten Lektionen an den vertrauten Bahnpunkten. Na prima, - das klappt doch automatisch. Zügel aus der Hand kauen lassen und täglich grüßt das Murmeltier...


Liebgewonnene Gewohnheit oder tägliche Tristesse?


Routine ist gut, Langeweile nicht. Routine schafft Vertrauen, doch Langeweile stumpft ab. Gewohnheit schafft Gewöhnung, Abwechslung macht aufmerksam. Der Mix macht`s! 
Für die Youngsters unter den Pferden gilt genau das selbe, wie für alte Hasen: Nur wer aufmerksam ist, denkt mit und lernt dazu.


Deshalb: Halten Sie Ihr Pferd - und auch sich selbst - fit. Und zwar nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Bringen Sie Farbe ins graue Alltagsallerlei. Stellen Sie für sich und Ihr Pferd ein buntes Arbeitsprogramm zusammen. Und gönnen Sie Ihrem Sportpartner auch darüber hinaus einen angenehm reizvollen Alltag
Nein, dies hier wird natürlich kein Aufruf, den eingespielten Pferdealltag komplett aus den Angeln zu heben, ihn völlig auf den Kopf zu stellen. Abwechslung im Pferdeleben bedeutet nun also nicht, ab jetzt montags dreimal und dienstags fünfmal zu füttern. Sie sollen den Hafer nicht mittwochs für Frühaufsteher und donnerstags für Langschläfer servieren. Auch stellt ein ganzer Tag Still-Stand am ruhigen Sonntag keine wohlverdiente Abwechslung zur sportiven Arbeitswoche dar.
Sie sollen nicht morgen den Galopp fliegend wechseln, wenn sie gestern mit der Traversale begonnen, und heute die Piaffe neu ins Repertoire aufgenommen haben. Zwar ist es auf Dauer langweilig, den blau-weißen Doppeloxer stur von rechts anzureiten, doch täglich einen neuen, mächtigen Sprung ins Ungewisse zu wagen, verunsichert mehr als das er Lust auf anspruchsvolle Hindernisse macht. 

Es geht vielmehr um sinnvolle Variationen des täglichen Trainings. Es geht um ein buntes und im wahrsten Sinne des Wortes eindrucksvolles Pferdeleben - und - es geht nicht um Chaos!


Ob geritten oder gefahren, am langen Zügel geprobt oder longiert, freigesprungen oder spazieren geführt wird, das sind Entscheidungen, die mit dem Ziel eines systematischen und motivierenden Arbeitsplans, getroffen werden.
Wie konkret täglich gearbeitet, und wo geritten wird, sind Fragen, über die es sich im Hinblick auf ein variables Schulungsprogramm lohnt nachzudenken. So können schon kleine Veränderungen bei der Ausführung von Lektionen für neue Aufmerksamkeit beim Pferd und Überraschung beim Reiter sorgen: Halten Sie doch mal nicht vorprogrammiert bei X. Legen Sie versuchshalber einen Zwischenstop bei G ein. Geht dann bei X trotzdem der Pferdemotor aus, können Sie sicher sein: Nicht durchlässige Rittigkeit, sondern schnöde Routine sorgte bislang fürs „Halten am Punkt“. Sie werden sich wundern, wie oft in Wirklichkeit die Macht der Gewohnheit die Zügel in der Hand hält, und gar nicht Sie als Reiter oder Fahrer. Spannend für Pferd und Reiter sind auch immer wieder Ortswechsel. Gerade, wenn Sie im Winterhalbjahr wenig auf Turnieren unterwegs sind, fällt Ihrem Pferd in der heimischen Halle irgendwann die Decke auf den Kopf. Wie dankbar erschrickt es sich da, wenn anstatt der roten Abschwitzdecke zwei grüne über der Bande hängen! Nehmen Sie sich also die Zeit und arbeiten Ihr Pferd zwischendurch mal in einer fremden Umgebung. Es gibt schier unendliche Möglichkeiten auch mit kleinen Dingen, Abwechslung in die Zusammenarbeit von Pferd und Reiter zu bringen.


Deshalb wird es für die Wintermonate Tipps und Tricks, Hinweise und Ratschläge von ebenso bekannten wie qualifizierten Ausbildern geben. Sie liefern ihre bewährten Rezepte gegen das graue Alltagsallerlei und für mehr Spaß am täglichen Training.  Abgestimmt auf die Disziplinen, auf den Ausbildungsstand der Pferde und auf das sportliche Ziel gibt es Ratschläge, Denkanstöße für Reiter und neue Motivationsstrategien fürs Pferd.


Pferdesportgrößen wie Franke Sloothaak, Georg Christoph Bödicker, Monica Theodorescu, Martin Plewa oder Andreas Ostholt sprechen wichtige Empfehlungen gegen das Alltagsallerlei in deutschen Reithallen aus. Den Auftakt machen die beiden Fahrsport-Experten Michael Freund und Rudolf Temporini.

 

 

FNverlag im Gespräch mit Michael Freund und Rudolf Temporini

 

„Fahren ist ein Sport an der frischen Luft!“


Das junge Fahrpferd:

 

Wie sieht hier die Grundsystematik der Winterarbeit aus?


Michael Freund: „Die drei- und vierjährigen Pferde werden an der Doppellonge gearbeitet und dazu ein- und zweispännig gefahren. Bei den fünf- und sechsjährigen hängt das natürlich maßgeblich von der Anspannungsart ab. Dazu findet 50 Prozent der wöchentlichen Arbeit auch bei ihnen an der Doppellonge statt. Auch empfiehlt es sich, die Fahrpferde zu reiten. Das sollte aber nur gemacht werden, wenn ein sehr guter Reiter dies Aufgabe übernehmen kann. Er sollte mindestens auf M-Niveau sicher sein.“


Rudolf Temporini: „3-jährige Pferde müssen komplett anders behandelt werden als 4- und 5-jährige Pferde.

3-jährige Pferde müssen aus meiner Sicht nur eine einführende Grundausbildung in den Wintermonaten bekommen, d. h. Gewöhnung an die Longe, Gewöhnung an das Geschirr, Longieren an der Doppellonge und dann das Longieren an der Doppellonge mit Geschirr.
Fahren der 3-jährigen Pferde im Winter beschränkt sich nach meiner Meinung auf einen reinen Gewöhnungs- und Duldungsprozess. Die eigentliche Konditionsarbeit oder intensivere Arbeitsphasen finden nicht statt.
Wir stellen bei uns dann die 3-jährigen Pferde wieder auf Koppel bis zum drauffolgenden Herbst und beginnen erst dann mit einer – noch nicht sehr intensiven – Ausbildung der Pferde. D.h. Wiederholung der im Winter zuvor erarbeiteten Ausbildungsstände. Dazu kommt möglichst eine reiterliche Weiterbildung der altersgemäßen Heranführung an die Lektionen. Die Arbeit an der Kutsche folgt dann erst zu Beginn des Frühjahrs (die Pferde sind jetzt 4 Jahre alt). Hier muss eine sinnvolle Mischung zwischen Longen und Doppellongen sowie reiterlicher Arbeit mit dem eigentlichen Fahren gefunden werden.
Auch die 4-jährigen Pferde können täglich etwas bewegt und etwas gearbeitet werden, aber sie sind ja immer noch fast „Babys“ und von daher gesehen, dürfen sie auf keinen Fall überfordert werden, um die Freude an der Arbeit nicht zu verlieren.
Ein Problem ist es, bezüglich der reiterlichen Ausbildung geeignete Personen zu finden. Nach meiner Meinung kommt es hier weniger darauf an, dass die Reiter eine bestimmte Klasse erfolgreich reiten können, sondern vielmehr auf das Gefühl, den Sitz und die Einwirkung. Es reicht nach meiner Meinung völlig aus, wenn hier Lektionen auf dem Niveau der Klasse A erarbeitet werden. Wichtiger aus meiner Sicht ist das Einfühlungsvermögen, eine weiche Hand und schlichtweg die korrekte Ausbildung.“

 

 

Wie intensiv wird das Pferd gearbeitet, wie viel Freizeit bekommt es während des Wintertrainings?


Michael Freund: „Die Pferde sollten sechs Tage pro Woche für rund 45 Minuten gearbeitet werden und einen Stehtag haben. Auf den Paddock sollten sie täglich kommen.“


Rudolf Temporini: „Der Unterschied liegt zum einen in dem Alter des Pferdes. 3-jährige Pferde sollen über Winter fast nur spielerisch gearbeitet werden. Feste Regeln gibt es dabei nicht. Zum anderen hängt es auch von dem Typ Pferd ab. Es gibt Pferde, die eine hohe Leistungsbereitschaft haben und Arbeit als Spiel und Beschäftigungstherapie positiv ansetzen und begleiten. Es gibt natürlich andere Pferde, die sich grundsätzlich erst schwerer tun. Bei letzterem Typ ist eine gewisse Regelmäßigkeit sicherlich von Vorteil, während man bei dem zuerst genannten Typ bei den jungen Pferden dies etwas lockerer angehen kann.“

 

 

Wie und ab wann wird Kondition geschult?


Michael Freund: „Das kommt auf den geplanten Saisonstart an. Aber so zwei bis drei Monate vor dem Start sollte das Konditionstraining einsetzen. Hierzu empfehle ich zu der nun 60-minütigen Arbeitsphase eine halbe Stunde Laufband oder Führanlage.“


Rudolf Temporini: „Dies hängt einzig und allein von der Saisonplanung ab. Mit jungen Pferden werden ja im Alter von 4 Jahren zunächst Eignungsprüfungen oder maximal A-Dressuren gefahren. Hier ergibt sich eine Konditionsschaffung allein aus der Arbeit mit den Pferden. Ein spezielles Konditionstraining halte ich hier für nicht sinnvoll.
Anders sieht es aus bei 5- und 6-Jährigen (jungen) Pferden. Wenn diese fest für die Turniersaison eingeplant sind, mit dem üblichen Programm von einer Vielseitigkeit mit Gelände etc., muss die Vorbereitung anders aussehen und in die Konditionierung der Pferde im Hinblick auf die in der Regel Mitte/Ende April beginnende Saison schon im Februar anlaufen.
Welche Wege zur Konditionsschulung gewählt werden, hängt von den Möglichkeiten ab. Wenn ein Fahrstall viele Pferde hat, wird das Thema „Laufband und Führanlage“ von Bedeutung sein. Mir persönlich ist dies etwas zu unpersönlich und wirkt auf mich etwas „maschinell“. Ich selbst ziehe eine Erarbeitung der Kondition durch intensives Fahren mit Intervalltraining, Bergauftouren und vielen Schrittpassagen diesem vor. Das geht natürlich nur in kleineren Betrieben, mit den entsprechenden Zeitmöglichkeiten.“

 

 

Welche Trainingsschwerpunkte setzen Sie nun in der dressurmäßigen Grundausbildung?


Michael Freund: „Je nach Alter. – Ab März arbeiten Sie, wenn es die Platzverhältnisse zulassen, am besten draußen. Dabei sollten lösende Übungen und Figuren im Mittelpunkt stehen. Am Ende einer Trainingseinheit sollte Leinen-aus-der-Hand-kauen-lassen stehen.“


Rudolf Temporini: „Schlichtweg oder einfach ausgedrückt: die Skala der Ausbildung. Es muss nicht unbedingt auf einem Platz erfolgen. Auch auf der Straße und auf Wegen kann an den Themen Takt, Losgelassenheit, Anlehnung und auch Schwung intensiv und auch mit Erfolg gearbeitet werden. Dies ist meist mehr eine Frage der Disziplin des Fahrers und Ausbilders. Natürlich ist wegen der Lektionenfolge eine Arbeit auf dem Dressurplatz notwendig, wenn man auch in der Dressur entsprechend Erfolg haben will.
Schwerpunkte sind aus meiner Sicht, eine Abwechslung für das Pferd schaffen und das Gefühl des Fahrers zu erkennen, wann man Lektionen oder Ausbildungsversuche beendet.“

 

 

Werden Anforderungen aus dem Hindernisfahren und dem Cross geübt?


Michael Freund: „Ja, aber eigentlich erst kurz vor Saisonbeginn.“


Rudolf Temporini: „Ja, aber dies geht eigentlich erst kurz vor Beginn der eigentlichen Saison los. Beim Hindernisfahren kann man die Pferde durch Stellen verschiedener Kombinationen an das Thema heranfahren. Mit jungen Pferden müssen natürlich auch Hindernisse geübt werden. Hierbei ist aus meiner Sicht wichtig, dass diese zunächst mal überhaupt die Aufgabenstellung lernen. Dies muss mit viel Ruhe geschehen. Stehen bleiben mitten in den Hindernissen, Durchfahrten mit großer Geschwindigkeit zu meistern, beides muss trainiert werden. Hier ist  viel Abwechslung gefragt und es ist von Nöten, immer wieder die Ruhe und die Gelassenheit des Gespannes zu überprüfen.“

 

 

Inwieweit spielen Führanlage/Laufband während der Winterarbeit eine Rolle?


Michael Freund: „Ich finde das eine wichtige Trainingskomponente gerade für Schritt schwache Pferde.“


Rudolf Temporini: „Ich selbst habe damit nie gearbeitet, aber ich kenne viele erfolgreiche Turnierställe, die damit gute Erfahrungen gemacht haben und sich damit auch entsprechende Erfolge einstellten."

 

 

Legen Sie Wert darauf, auch im Winter möglichst viel draußen zu fahren? Wenn ja, warum?


Michael Freund: „Leider habe ich – wie bestimmt 85 Prozent meiner Fahrkollegen keine Halle. Insofern müssen wir wohl oder übel draußen trainieren.“

 

Rudolf Temporini: „Fahren ist ein Sport an der frischen Luft. Sie haben kaum die Möglichkeit, in der Halle zu trainieren. In sofern ergibt sich das von ganz alleine.“

 

 

Wie wichtig ist Abwechslung im Wintertraining und wodurch erreichen Sie diese?


Michael Freund: „ 50 Prozent der Zeit sollte man mit normaler Arbeit auf dem Platz verbringen. Die anderen 50 Prozent fährt man durch Feld und Flur und natürlich auch durch den Stadtverkehr.“


Rudolf Temporini: „Bezüglich der Abwechslung unterscheidet sich das Wintertraining nicht vom Sommertraining. Training sollte immer für die Pferde abwechslungsreich sein, um ihr Interesse wach zu halten.“

 


Das erfahrene Fahrpferd


Wird das Pferd gesundheitlich vor dem Wintertraining – nach einer langen grünen Saison – durchgecheckt?


Michael Freund: „Nicht grundsätzlich. Nur wenn im Verlauf der Saison Probleme aufgetreten sind.“


Rudolf Temporini: „Eigentlich nicht. Wenn sich Anzeichen für bestimmte Probleme ergeben haben, dann wird dem natürlich sofort nachgegangen und dies geklärt.“

 

 

Von wann bis wann befindet sich das Pferd während des Winters in der Regeneration?


Michael Freund: „Nach dem Abtrainieren sollten die Pferde zwischen Oktober und Dezember nur Spaziereinheiten fahren.“


Rudolf Temporini: „Mit dem Abtrainieren der erfahrenen Turnierpferde und einer mehrwöchigen Pause habe ich persönlich allerbeste Erfahrungen gemacht. Gerade für das Nervenkostüm ist dies meist förderlich. Der Nachteil liegt darin, dass die Pferde dann komplett wieder antrainiert werden müssen. Ansonsten liegt dann nach dem Antrainieren der Pferde der Schwerpunkt der Winterarbeit im Gymnastisieren und im besonderen Bearbeiten von Problempunkten, die sich im Laufe der Turniersaison gezeigt haben.“

 

 

Wie sieht die perfekte Regeneration aus?


Michael Freund:
„Viel Schritt geradeaus in der Natur. Dazu ein Spa-Programm für Pferde. Das könnte beispielsweise Osteopathie, Akupunktur, Physio, Aquatrainer oder Massage beinhalten. Diejenigen Fahrer, die es sich leisten können, sollten diese Wellnessmethoden ruhig auch während der Saison einsetzen.“


Rudolf Temporini: „Aus meiner Sicht sind großzügige Koppeln am pferdegerechtesten für eine Regeneration. Zusatzmöglichkeiten wie Aquatraining, Akupunktur und ähnliches gehört für mich auch in bei der eigentlichen Saisonarbeit dazu.“

 

 

Wie beginnt anschließend das Training?


Michael Freund:
„Ab Januar geht es mit der normalen Basisarbeit wieder los - je nachdem wie viel Zeit man aufbringen kann und wie die Platzverhältnisse sind.“


Rudolf Temporini: „Langsam aufbauend, konditionserarbeitend mit vielen lösenden Übungen. Je nach Ausbildungsgrad wird das Training immer weiter gesteigernt und die Pferde werden auch an neue Aufgabenbereiche herangeführt.“

 

 

Wie beheben Sie Fehlerquellen der vergangenen Saison?


Michael Freund: „Nach ein bis zwei Monaten der Basisarbeit arbeitet man gezielt an den Schwächen aus der vergangenen Saison. Hier gilt das Prinzip vom Einfachen zum Schweren. Dabei sollte der Fahrer nie vergessen, dass manche Pferde gewisse Anforderungen einfach nicht erfüllen können, weil sie nicht für unseren Sport geboren sind.“


Rudolf Temporini: „Grundsätzlich wird jeder Fahrer schon während der Saison an vorhandenen Fehlern arbeiten. Aber die Wintermonate und die Vorbereitungszeit für die kommende Saison bieten sich natürlich speziell für individuell spezifische Probleme an. Hier kann dann über Reiten und Doppellongenarbeit probiert werden, Akzente zu setzen.“

 

 

Welche Trainingsschwerpunkte setzen Sie nun in der dressurmäßigen Ausbildung?


Michael Freund: Ab zirka Mitte März steht die intensive Arbeit auf dem Dressurplatz an. Die Lektionen konzentrieren sich auf punktgenaue Dressurlektionen. Rückwärtsrichten oder Übergänge müssen nicht zwangsweise auf dem Platz trainiert werden. Das kann man genau so gut auf Wegen trainieren.


Rudolf Temporini: „Es ist ein Trainieren von Übergängen und einzelnen Lektionen im Hinblick auf ihre Korrektheit. Dazu kommen Taktsicherheit und nicht zu vergessen das Stehen und der Schritt. Letzte beide Punkte werden zu oft vernachlässigt und spielen aber in den Dressuraufgaben doch eine bedeutende Rolle.“

 

 

Was tun Sie in punkto Hindernis- und Crosstraining?


Michael Freund:
„Das übe ich vor der Saison ein bis zweimal im Rahmen von Frühjahrs-Lehrgängen an geeigneter Lokalität.“


Rudolf Temporini: „Dies ist aus meiner Sicht der Dinge nicht nur eine Aufgabenstellung für die Pferde, sondern insbesondere auch für den Fahrer. Hier spielt mentale Stärke des Menschen eine große Rolle. Unter wettbewerbsmäßigen Bedingungen zu trainieren ist ideal – auch im Winter. Wenn dann noch entsprechende Korrekturen von außen durch Fachleute erfolgen, ist es umso besser. Es geht hier schwerpunktmäßig um die Abstimmung Pferde/Fahrer und um eine gewisse Routine und den Versuch, den Pferden zu vermitteln, worin die Aufgabenstellung eigentlich besteht.“

 

 

Gewichten Sie bitte die Aspekte Kondition, Grunddurchlässigkeit und Lektionen/spezielle technische Schulung für die Zeit des Wintertrainings.


Michael Freund: „In der Reihenfolge: Grunddurchlässigkeit, Kondition, Lektionen und Technik. Die jeweiligen Aspekte greifen dabei natürlich ineinander.“


Rudolf Temporini: „Jede gezielte Arbeit mit Pferden setzt zunächst mal eine gewisse Grundkondition voraus, die sich an den Anforderungen der Lektionen und dem Training orientiert. Sie ist schlichtweg Voraussetzung, dass das Pferd überhaupt in der Lage ist, Lektionen zu erarbeiten.
Über die Arbeit in Lektionen und die damit in Zusammenhang stehende spezielle technische Schulung muss sich eine Grunddurchlässigkeit ergeben und immer abgeprüft werden. Zum Beispiel gehört das Thema „Leinen-aus-der-Hand-kauen-lassen“ während jedes Trainings, egal ob auf der Straße, im Gelände oder auf dem Dressurplatz, mehrfach zwingend zur Überprüfung der Losgelassenheit dazu.“

 

 

Experimentieren Sie im Winter an neuen Zug-Zusammenstellungen?


Michael Freund: „Sicherlich ist das die beste Zeit, um neue Pferde in Zwei- oder Vierspänner einzubauen.“


Rudolf Temporini: „In meiner aktiven Zeit habe ich diese Monate natürlich genutzt. Sie sind für den Fahrer der ideale Zeitpunkt um zu testen.“


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